Zirkusadel V

Sylem? Hier steckst Du! Ich hatte Dich gesucht und schon fast die Hoffnung aufgegeben, das Du noch hier bist. Hier, Wasser, Brot, Käse und Wurst für Dich. Far Falla und Nina Luna habe ich eben schon gefunden. Ich glaube, Unser Messerwerfer hat ein Auge auf die kleine Drahtseilkünstlerin geworfen. Ich hatte Ihm nicht gesagt, das Sie rothaarig ist. Du hättest seine leuchtenden Augen sehen sollen und Ihre abfällige Handbewegung. Zum brüllen komisch! Mittlerweile haben Sie sich wohl angefreundet. Du isst ja garnicht…hast Du keinen hunger? Schau nicht so, ich habe selbst kaum Geld um mir mehr als das zu leisten…Ah, da kommen die beiden ja schon. Sie haben in den letzten Wochen viel trainiert. Far Falla wirft nun mit verbundenen Augen. Und Nina Luna hat sich das Trapez noch zu eigen gemacht. Du solltest es Dir mal ansehen, diese beiden sind großartig! Ich selbst habe wärend meiner Abwesenheit auch ordentlich trainiert. Ich werde wohl als Feuerspucker auftreten. Was? Warum ich nichtmehr die Ansagen mache? Nun…ich erhielt vor kurzem einen Brief…von einem sehr Wortgewandten Sandläufer. Er kann verdammt nochmal mit Worten umgehen. Als Er wieder zu sich kam, erzählte Er:

Die Luft hat ihr Flirren längst verloren. Der Sand flüstert in anderen Stimmen hier. Es ist seltsam so fern von daheim, spricht alles andere Sprachen, nicht nur die Menschen. So oft ich auch lerne, so oft ich auch schaue, es ist doch immer ein Schimmer des Fremden so fern … so fern. Doch der Wind ruft stetig meinen Namen. ‚Dajin‘ flüstert er und ich folge auf den Schwingen der Erde. Grenzen bedeuten nichts, wenn man Freiheit im Blut trägt, aufgemalte lächerliche Linien nur, doch manche Grenzen sind in mir, in uns allen – und dann spüren wir sie. Der Mond durchwandert seinen Zenit als das Schaudern solcher Grenzen Alejo unruhiger traben lässt. Es ist Zeit zu schlafen, doch das Flüstern lässt nicht nach. So lange schon geht es voran, dass ich das Braun meiner Augen, das Schwarz der Haare, des Bartes, erkennen könnte, sei das Wasser noch so seicht. Schmerz und Dreck und lange Tage haben sich gesammelt auf Antlitz und Haar. Ich hadere, Zeit gegen Vernunft, Vernunft gegen den Ruf. Es kann nicht weit sein, das Lager das ich suche. Sollich besser ein eigenes aufschlagen? Aufgeben für heute? Es bleibt mir nicht viel Wahl. Die Möglichkeit von Wärme treibt mich weiter, ein wenig noch. Ich spüre Alejo spöttelt, mit seinem eigenen Wesen, ich erspüre es im Klang seines Ganges, in einer Unregelmäßigkeit die niemand sehen würde. Niemand würde es glauben, nicht in dieser Welt. Hinter den Grenzen des Sandes glauben die Menschen nicht mehr daran, dass der Geist auch in den Tieren wohnt. Wolken vor meinem einzigen Licht, dem stetigen Auge Leylas, machen mich fast blind, doch Alejo weiß wohin, wir sind wie eins, so geht es weiter, er findet den Boden bei jedem Tritt, sicheren Grund, wo ich schon verloren stolpern würde. Die Finger zittern, das Wasser fehlt, die Stunden der Ruhe. Wieder nicke ich ein, Sekunden nur, dann noch eine Sekunde – und der Mond ist schon wieder weitergezogen. Alejo fängt mich mit einem Schritt zur Seite als ich beinahe falle. Ich falle nie vom Pferd … niemals … was ist los? Es geht kaum noch … bin ich je soweit gereist ohne eine Pause, so viele Stunden geritten ohne Wasser, Brot, Schlaf? Schlaf. Es gibt nichts seligeres als den Schlaf in diesen Sekunden. Alejo stockt, stoppt, senkt den Hals, wartet, ich taumle hinab, kann nicht recht erkennen. Ein Zelt? Ich weiß es nicht, schlage ein Plane zurück. Ein Traum? Bin ich letztendlich doch eingeschlafen? Unser Volk ist so klein, im Gegensatz zu den Menschen hier. Er muss wohl einen Kopf größer sein als ich. Ein Fremder, wie alles hier fremd. Er stürzt auf mich zu, als wäre ich fast tot, als müsste man mich fangen. Ich kann nicht einmal mehr lachen vor Ironie. Mich fangen? Krieger fallen eher, als dass sie gefangen werden. Ich falle, es ist Sand unter mir. Sand … Sand … bin ich doch daheim? Wo sonst ist solcher Sand zu finden?

Sein voller Name lautet glaube ich „Dajin al´Hamed Horas a´l Djoran al´Zud Zumanim Zumanid…oder so. Dir dann bekannt als Dajin. Das reicht. Ich brachte Ihn sofort ins Bett. In letzter Zeit habe ich oft mit Ihm gesprochen und mit Ihm einen Pakt geschlossen. Er wohnt von nunan hier. Nina Luna wird das Zelt mit Ihm teilen. Dafür das Er bei Uns wohnt, bekomme ich ab und an alte Märchen von Ihm. Er sagt, das Münzen nicht in seiner Kultur von belang sind. Deshalb würde Er einen Gefallen mit einem Gefallen bezahlen. Er hätte auch einem von Euch das reiten beigebracht. Aber Sylem…Du auf einem Pferd? Dieser Gedanke ließ mich doch schmunzeln. Wie dem auch sei, Er soll bei Uns die Ansagen machen, da Er mit dem Wort besser umgehen kann als ich. Ja Sylem. Es gibt wohl Menschen die Sachen besser können als ich…ich war auch verdutzt. Guck nicht so! Das war ein Scherz. Jeder sollte das tun, was Er am besten kann. Und das tun hier alle! Nun aber eile. Ab Morgen wird hier wieder gearbeitet! Der Meister ist zu Haus! Und Er bringt Ideen und Arbeit mit! Gute Nacht, Sylem. Far Falla, Nina Luna? Ab in Eure Zelte! Es wird bald wieder aufgestanden!

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