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Der Graf & die Prinzessin. Weiter?

Es war das letzte Wochenende im Oktober, Samstag bin ich wieder nach Hause. Abends war Halloweenparty in Dellbrück. Da habe ich viel mit guten Freunden über meine Situation gesprochen. War fest davon überzeugt nicht wieder zu fahren. Bis wir dann geschrieben haben. Bei ICQ. Er war einfach so anders als alle, mit denen ich mich in der Zeit lose getroffen habe. Viel jünger, aber viel erwachsener. Dann war klar: Wir sehen uns wieder. Im Ela. Dazu habe ich diese Worte direkt nach dem Abend verfasst:

Freitag, 5. November. Zur Prinzessin & Haare färben extrem. Als ich dann den Reifrock, den Überrock, die Schuhe, das Korsett anhatte, fühlte ich mich wahrhaftig wie eine Prinzessin. Meine Haare saßen so gut. Meine Augen haben mir sehr gefallen. Der Rock passt so schön zusammen mit den Schuhen. Hach.
Nach einiger Zeit dann los. Aufregung steigt. Ankunft, ich entschwinde meinen Begleitern. Schaue mich suchend um. Sehe ihn. Er lächelt. Umarmt mich. Wir schauen uns in die Augen. Lange. Kommen uns langsam näher. Küssen uns. Er nimmt meine Hand und lässt sich führen. Lernt meine Begleitungen kennen. Weicht mir den ganzen Abend nicht mehr von der Seite. Umarmt mit von hinten, wenn ich gedankenverloren der Prinzessin beim Tanzen zu schaue. Küsst mich immer wieder vorsichtig und mit viel Gefühl.

Die Blicke! Die Blicke! Er sah so wahnsinnig toll aus. Mehr als einmal kam der Kommentar „Raaawr! Lass ihn dir nicht wegschnappen!“ Ich sah wahsinnig toll aus. So fühlte ich mich auch. Hübsch. Begehrt. Freudig. Toll. Sein Outfit passte zu meinem. Meine Tasche übergab er mir stets mit einer leichten Verbeugung, verabschiedet wurde ich mit einem Handkuss.

Dazu hatte ich oft dieses Zitat im Kopf, welches ich vor einiger Zeit bei Spontis fand: „Wenn sich eine Gothic-Frau und ein Gothic-Mann (oder Gleich­ge­schlecht­li­che) einen Kuss geben, dann geschieht das nicht so neben­bei. Der Kuss ist für alle Goths ein ganz tie­fes Gefühl, eine völ­lige Hin­gabe.”  (Ein Zitat von: The Dar­k­ness)

Das Herz schlug mir bis zum Hals. Vor Freude. Vor Zufriedenheit. Vor Aufregung.

Rückfahrt. Prinzessinnen strahlen. Der Graf kann Schiffchen falten, er ist akzeptiert.

Sonntag haben wir das geklärt, was es ist. Eine Romanze. Eine Affäre, wenn man so will. Keine Verpflichtungen. Jederzeit beendbar. Ehrlich wollen wir sein. Eine Beziehung kann ich wohl nicht. Nicht jetzt. Nicht mit ihm. Oder noch nicht?

Es kam dann also anders, als ich damals dachte.

Tanzen, feiern, leben.

Am Samstag war ich zur Return of the living Dead in der Markthallte in Hamburg. Bin bei einem Freund mitgefahren und wir haben schon nachmittags in der Stadt noch eine Freundin getroffen. Bisschen gestöbert in den Geschäften und bei Schweinske lecker gegessen. Dann wollte ich bei McDonald’s noch ein Eis – pfffft, Gerät kaputt. Dort trafen wir dann noch zwei Tweeties und um halb elf sind wir los zu Halle. Ich war total Candy. Hab mich sehr wohl gefühlt so.

Die Party war ganz okay. Es waren nicht so viele Bekannte dort wie letzte Woche im Ela, aber das ist in Hamburg ja immer so. Auch tanzen ist Glücksspiel, auf den Tanzflächen wird ja auch so einiges durcheinander gespielt. Es war nicht so warm oben, fein. Es war nicht so voll – konnte also schön ausufernd tanzen teilweise. Was toll war: Mein weißes Korsett <3 Es war sehr angenehm damit zu tanzen. Es sah toll aus. Mein ganzes Outfit war süß. Ich liebe Locken! Es hat sogar ohne Haarspray gut gehalten.

Trotzdem hat einer gefehlt. Mein Graf. Eigentlich bin ich absolut freiheitsliebend, die perfekte Frau für eine Fernbeziehung. Ich brauche meinen Freiraum. Aber inzwischen lebe ich nur noch so auf Sparflamme, wenn ich meine Zeit nicht mit ihm verbringe. Kann es kaum erwarten bis Freitag ist. Er kommt her. Wann ist endlich Freitag?

Der Graf & die Prinzessin. Der Anfang.

Mein Graf. Wie fing das mit uns an? In Hohenweststedt auf dem Mittelalterlich Spectaculum 2009. Zu der Zeit war ich noch mit Freund3 zusammen. Er ließ mich das ganze Wochenende alleine, ging in andere Lager und betrank sich, jammerte wegen Rückenschmerzen rum und benahm sich koplett daneben. Auf der Rückfahrt trennten wir uns damals. Es muss Samstag oder Sonntag gewesen sein, ich tippe auf Samstag. Ich saß in unserem Lager und hatte einen Hundewelpen auf meinem Schoß. Es war inzwischen ziemlich kalt und der Kleine fror erbärmlich. Eingekuschelt auf meinem Schoß in meinen Umhang war er gerade eingeschlafen, als der Graf mit seinen Begleitern und der sonderbaren Kiste auf Rädern an unserem Lager vorbei zog. Ich wartete etwas ungeduldig auf unsere Ablöse – die Pest rief schon. Trotzdem war ich neugierig, was denn in der Kiste sei, fragte ich einfach. Die Antwort brachte mich zum Lachen, was ich das bisherige Wochenende nicht so oft getan hatte. Dann zogen sie weiter und ich blieb zurück im Lager. Als endlich die Lagerwachenablösung kam, wurde es auch schon Zeit. Die Blase drängt und ich musste unbedingt zur Pest. Als ich zu den Stallungen verschwand, sah ich ihn nicht weit entfernt stehen. Auf dem Rückweg sprach er mich an – eine Telefonnummer? Handy rauskramen war mit zitternden, hektischen Fingern nicht drin, Nummer kannte ich auch nicht auswändig – also schnell die ICQ Nr. gegeben, bevor ich dann wirklich zur Pest entschwand. Bei dem Pestumzug sah ich dann meinen Freund1. Er war sichtlich überrascht, aber ich war schnell an ihm vorbei. Die restliches Zeit dort wanderten meine Gedanken immer wieder zu der Begegnung mit dem Grafen.

Die Wut im Bauch für das verkorkste Wochenende dank nun Exfreund3 verrauchte und ein Kribbeln machte sich breit – schreibt er mir?

Nach eininge ICQ Nachrichten haben wir Handynummern ausgetauscht und uns dann Mitte Juni auf dem Büsumer Markt getroffen. Abi in der Tasche, Single, Ferien vor mir, das Leben genießen.

Traumverliebt.

Der Graf & die Prinzessin. Traumverliebt sind wir. Wir träumen, stehen aber mit beiden Beinen fest im Leben. Wir kennen Höhen, als auch Tiefen. Trotzdem ist unsere Welt zauberhaft. Hier bloggen wir beide. Zusammen, füreinander. Öffentlich. Teilweise gibt es für einzelne Einträge Passwörter. Fragen kostet nichts. In welche Richtung sich das hier entwickelt, ist vorher schlecht zu sagen. Lassen wir es mal auf uns und euch zukommen.