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Stolpern.

Irgendwann im letzten Jahr bin ich kurz stehen geblieben. Die Welt drehte sich einfach weiter, aber ich bin jetzt immer einen Schritt zu spät. Alles geht irgendwie zu schnell, ich komme nicht mehr mit. Stolpere so hinterher. Kaum habe ich mich an den Sommer gewöhnt, ist schon wieder Herbst. Versuche zu rennen, schaffe es aber nicht, die verschluckte Zeit einzuholen. Welches Datum ist heute? Wie, der August ist schon vorbei?

War es die Nachricht vom Umzug? Die Planung dessen? Der erste Geburtstag vom Wolf, der irgendwie untergegangen ist? Der neue Alltag – zurück im Job? Ophealias Tod? Silvester Zuhause? Zu wenig Herzmenschen? Ich weiß es nicht. Aber das weiter zu analysieren bringt auch nichts. Von Oktober ’15 bis Januar ’16 habe ich fast keine Musik gehört. Durch Last.fm kann ich ziemlich genau schauen, wie viele Tracks pro Monat gespielt werden. In der Zeit geht die Anzahl fast auf Null.

Dabei ist Musik eigentlich das, was mir unglaublich viel hilft. Seit August folgt hier schon wieder eine Ausnahmesituation der anderen. Inklusive der Erkenntnis, was wirklich wichtig ist und was „nur“ materieller Besitz und damit irgendwie ersetzbar ist. Dieses Mal schaffe ich es allerdings, mich bewusst ans Musikhören zu erinnern. Grundverfassung somit schon etwas besser als letztes Jahr. Es sind noch ein paar Auszeiten geplant für dieses Jahr – ich traue mich allerdings noch nicht, mich richtig darauf zu freuen.

Musik, bunte Haare, Lieblingsschuhe. Das Notfallpaket, um die Prinzessin zu resetten. Mir war nicht bewusst, wie sehr mir die bunten Haare gefehlt haben.

Egal, wie das jetzt so weiter geht und was das Leben noch so für uns geplant hat: Familie Zirkusadel schafft das alles. Meine Männer sind so wunderbar. Als Familie sind wir traumhaft.

Liebste Ophealia…

Vater,
Sag den Katzen, sie sollen nicht auf meinem Weg gehen
Sag den Katzen, sie sollen mir nichts vorschreiben
Es ist egal was ich vorhabe, was ich sage…
Vater…

Mutter…
Wir leben in wunderschöner Dunkelheit,
ab und an sich schlafend vor der Welt verbergen…
Oh, Mutter…

Vater…
geh mit deiner Tochter heute Abend aus
ich zeig dir meine Welt…

Vater…
sieh mein Licht
Aber wenn wir meine Hölle finden wollen

zeig ich dir, wie sie ist

Ich habe nicht vor, Ihr Licht zu sehen…

Mutter…
Sag den Katzen, sie sollen meine Pfote nicht halten
Sag den Katzen, sie brauchen nicht zu verstehen
Oh, Mutter… Vater…

Oh, Vater…
Wollen wir heute Abend zusammen kämpfen?
Wir zeigen ihnen, was sie fühlen können…
Oh, Vater…

Ich habe nicht vor, Ihre Lüge zu sehen
Aber wenn Sie Hölle mit mir finden wollen
Ich kann Ihnen den Weg jetzt zeigen…

Der Originaltext ist von Lissie – Mother …

ich hab den Text so verändert wie ich glaube, das er auf unser wundervolles Kätzchen passen könnte…

Ophealia… du fehlst uns! <3

„Das ist ja jetzt auch das schönste Alter!“

Der Wolf wird in zwei Wochen ein Jahr alt. Wie auch immer das so schnell passieren konnte. Das ganze letzte Jahr war eine wundervolle Reise, die in einem Tempo statt fand, welches ich manchmal kaum fassen konnte.

Vor einem Jahr saß ich hier, kugelte vor mich hin und hoffte, dass es bald los gehen möchte. Ich wollte den Wolf doch endlich im Arm halten. Konnte ja keiner ahnen, dass er erst eine Woche nach dem errechneten Termin schlüpft.

Momentan bekomme ich immer wieder zu hören, der Wolf sei ja jetzt im schönsten Alter überhaupt. Hmm. Nein, das würde ich so nicht unterschreiben. Ich liebe es unglaublich, wie er jetzt mit uns schon kommunizieren kann und wie er jeden Tag etwas Neues lernt. Aber jeder Monat – ja, jede Woche! – war bisher so schön. Natürlich gibt es immer wieder Tage, die anstrengender sind als andere. Oder Nächte mit weniger Schlaf. Das wussten wir vorher, das haben wir erwartet. Es gibt keine schönste Zeit. Jede Zeit ist schön, wenn man es zulässt.

Meine Liebe für dieses Wunderwesen wächst jeden Tag. Ich wusste nicht, wie viel man auf einmal empfinden kann, wenn eine kleine nasse Schnute ein Kuss auf meine Wange drückt.

Eigentlich hätte ich die Wochen, in denen der Wolf schon im Kindergarten ist und ich noch nicht arbeite, gerne genutzt um mehr zu nähen, zu plottern, zu lesen. Tja. Stattdessen packe ich Umzugskartons. In zwei Wochen ziehen wir um. Keine Ahnung, wie wir das ohne meine Elternzeit hätten schaffen sollen. Aber wir machen das ja gerne in eigentlich nicht so passenden Momenten.

Das Familiengefühl, was sich in mir immer breiter macht, ist so wundervoll. Wir sind jetzt eine richtige Familie. Vater, Mutter, Kind, Katze. Liebe.

Zirkusadel-Familie.

Vor fünf Jahren.

2009 habe ich mein Abitur gemacht. Am 18. Juni war meine mündliche Prüfung. Das ist jetzt 5 Jahre her. Wenn man mich damals gefragt hat, wie ich mir mein Leben in fünf Jahren vorstelle, habe ich viel erzählt. Jetzt – fünf Jahre später – kann ich nur sagen: Mein Leben ist schöner, als ich es mir je erträumt habe.

Es war Sommer, ich hatte sechs Wochen freie Zeit vor mir, bevor meine Ausbildung anfing. War seit einem Monat Single, kannte mehrere interessante Menschen, bei denen mein Interesse nicht nur einseitig war. Es war ein toller Sommer, mit Urlaub, Festivals, Freunden, Sonne und Zeit. Die letzten sechs Wochen, die ich bisher nur für mich hatte.

Vor fünf Jahren sagte ich, ich wünsche mir für jetzt einen Job, wenn möglich mit Aussicht auf Festanstellung. In Hamburg, Kiel oder weiter weg. Eine schnuckelige Wohnung, nur für mich. Einen liebevollen Menschen an meiner Seite. Eine Katze, wenn möglich. Ein kleines Auto. Freunde, die mit mir zu Festivals fahren.

Einige Dinge hatte ich zwischendurch. Zwei Katzen in der WG, eine 13-monatige Beziehung, im ersten Jahr auch noch regelmäßige Treffen mit Freunden aus der Schule, Festivalbesuche, Urlaube. Davon blieb nur ein Teil. Vieles musste erstmal kaputt gehen, bis etwas Neues entstehen konnte. Einiges pausierte für die Zeit der Ausbildung, anderes schlief komplett ein.

Und jetzt? Jetzt bin ich mit dem tollsten Mann der Welt verheiratet, habe unser Zirkusbaby im Bauch, bin Katzenmama, festangestellt im öffentlichen Dienst, fahre einen Kombi, wohne mit meinem Mann zusammen in einer wundervollen Wohnung, bin regelmäßig mittelaltern, lebe wieder in Meldorf, treffe regelmäßig Freunde, habe über Twitter tolle Leute kennengelernt, blogge auf 5 verschiedenen aktuellen Blogs (und habe damit wohl tatsächlich teilweise mehr Leser als die Mitschüler, die Journalismus studieren…), mache Fotos, fahre zu Festivals, liebe unsere Szenen und genieße einfach das Leben.

Das hätte ich absolut nie gedacht. Es macht mich unfassbar glücklich und ich genieße nahezu jede Sekunde. Es kommt oft anders, als man denkt. Das ist verdammt gut so.

Die Prinzessin in zehn Jahren.

Die zauberhafte Stoffel, die auf mahltied.com bloggt, hat mir ein Stöckchen zugeworfen. Es geht darum, wie ich mir mein Leben in zehn Jahren vorstelle. In zehn Jahren bin ich 34. Wow. (Wenn ich jetzt „steinalt“ schreibe, bekomme ich wohl mehrfach auf die Nase. Also lasse ich das.)

Also los!

wie sieht deine berufliche Situation aus?
Mein Traum wäre es, das zu tun, was mir wirklich richtig gefällt. Also vielleicht habe ich schon mein Traum-Café umgesetzt. Und zaubere jeden Tag tolle Dinge in der Küche. (Wobei ich sagen muss, wenn ich das wirklich jemals umsetze, dann vermutlich erst in 20 Jahren.) Realistisch gesehen arbeite ich nach wie vor in meinem Job als Fachinformatikerin und halt nebenbei die Netzwerke und Rechner der Familie am Laufen. Wahrscheinlich nicht mehr 39h/Woche, aber schon noch hier.

Wie sieht deine familäre Situation aus?
Frisch die hölzerne Hochzeit gefeiert und noch immer verliebt wie eh und je in meinen Grafen. Um uns toben eine Horde Kinder. Vielleicht 5 Jahre und 2 Jahre alt. Oder ich bin schwanger. Außerdem wohnen dann so zwei kleine Stubentiger bei uns und im Flur steht ein großes Aquarium.

Wo wohnst du?
In einem schnuckeligen Häuschen, welches wir vor ein paar Jahren gekauft haben. Mit Bastel- und Nähzimmer für mich und Werkstatt für den Mann. Mit schöner großer Küche. Und einem Garten, der für uns wunderbar ist, unsere Nachbarn aber grausam finden. Außerdem an einigen Wochenenden in einem schönen Wiki-Zelt.

Was machst du am liebsten?
Rezepte ausprobieren, mit meiner Familie zu lauter Musik durch die Küche tanzen, Besuch von Freunden haben, Zeit mit meinem Mann verbringen, mit einem Buch im Garten liegen.

Führst du noch deinen Blog?
Wegen dieser Frage habe ich eben erstmal gegrübelt, wir lange ich überhaupt schon blogge. Tja, da ist wohl dieses Jahr das 10. Jubiläum fällig. Also, da ich schon seit 10 Jahren mehr oder weniger häufig blogge, würde ich sagen, ich blogge auch in zehn Jahren noch. In welcher Form – das weiß ich nicht. Vermutlich einfach weiter selber schreiben, ein paar Fotos dazu… Nur was ich bis dahon hoffentlich gemacht habe: Neues Design hier. Ähem.

So – wie sieht es bei euch in zehn Jahren aus?

Ungeplant.

Wir sind inzwischen schon in der vierten Woche in 2014. Richtig angekommen bin ich trotzdem nicht. Der Kalender vor mir ist bis auf drei Einträge komplett leer. Im Grunde weiß ich bisher nur, was am nächsten Wochenende passiert. Weihnachten kommt mir so unwirklich weit weg vor und in einem kleinen Anfall von Panik habe ich sogar noch die letzten Lebkuchen gebunkert. Ich habe damit noch nicht abgeschlossen. Es ist, als wenn die Welt momentan doppelt so schnell dreht. Ich stehe auf – und gehe schon wieder zu Bett. Dazwischen – nichts geschafft. Den Grund dafür kenne ich genau. Mir fehlt der Winter. Mir fehlt es, im Schnee zu spazieren und die Kälte zu genießen. Auch wenn es nur 1-2 Tage sind – die reichen, um mich wieder anzupassen. Die ich aber dringend brauche.

Winter-Depression? Nein. Kein-Winter-Depression.

Freundschaft II.

Dann sind da Menschen, die mich erst seit Februar kennen und trotzdem zu unserer Hochzeit eine Woche Urlaub nehmen, um zu helfen.
Menschen, die ohne mit der Wimper zu zucken ihre gesamte Wochenend-Planung umschmeißen, um bei unserem Umzug dabei sein zu können.
Menschen, die „Schreib mir, wenn du Hilfe brauchst“ auch wirklich ernst meinen.
Menschen, die genauso verrückt sind wie ich.
Menschen, die nicht sagen „Das geht nicht“ sondern „Lass mich überlegen, das bekommen wir hin!“

Und ich lerne so langsam, das alles annehmen zu können.

Das sind Freunde.

Danke dafür und für alles andere <3

Freundschaft.

Ab wann ist man befreundet? Wo hört Bekanntschaft auf und fängt Freundschaft an? Wie endet Freundschaft und warum?

Ich hatte nie die eine allerbeste Freundin. Eigentlich war ich immer die Zweitfreundin. Die, die immer da war, aber nie als beste Freundin bezeichnet wurde. Das war früher zwar irgendwie schmerzhaft, aber ich bin ja trotzdem groß geworden. Mit Freunden. Bin oft vergessen worden, weil ich einfach immer „so da“ war. Gehörte überalle nur halb zu.

Heute habe ich einen kleinen Kreis von Menschen, die ich als Freunde bezeichnen würde. Meine Lieblingsmenschen. Dafür muss man sich nicht lange kennen, nicht oft sehen, nicht jeden Tag voneinander hören. Man weiß – sie sind da und ich bin da. Füreinander.

Trotzdem mache ich mir immer wieder Gedanken darüber. Ist diese Person mein Freund? Wie viel würde ich ihr erzählen? Was sind die Kollegen? Keine Freunde. Vielleicht werden sie es. Vielleicht. Noch sind es nur Kollegen. Wie Bekannte.

Im Grunde ist es eigentlich völlig nebensächlich. Trotzdem bleibt mein Kopf immer wieder daran hängen. Und dann fängt die Gedankenspirale an. Hört nicht mehr auf. Solange ich Freunde und Menschen, die ich nicht mag, trennen kann, muss ich mir eigentlich keine Gedanken darüber machen.

Bist du mein Freund?

Oswald Henke, Chris Pohl, Sven Friedrich, Honey – einer ist immer über.

Es gibt da so eine These, die ich vor knapp 3 Jahren aufgestellt habe und die mich nicht mehr los lässt. Mal sehen, wie ich das möglichst verständlich formuliert bekomme.

Hauptbestandteil dieser These sind die Herren Oswald Henke (Mastermind von Goethes Erben, Henke, fetisch:Mensch, …), Chris Pohl (BlutEngel, Terminal Choice, …), Sven Friedrich (Dreadful Shadows, Zeraphine, Solar Fake, …) und Honey (Welle:Erdball, Funkhausgruppe, Homo Futura). Alles irgendwie Grundbausteine der Gruftmusik. Der aktuellen wie auch der älteren Gruftmusik.

Meine Abneigung gegenüber Chris Pohl ist ja schon, ähem, einige Male deutlich geworden und wer mich mal zu einem Festival begleiten durfte, kennt meine Kommentare. Nun. Genau das kenne ich auch von anderen zu den drei anderen oben aufgeführten Herren. Ich stelle damit jetzt mal eine These auf:

Man kann sie nicht alle mögen – einer muss immer die Anti-Person sein.

Dabei ist es nicht zwangsläufig die Person, vielleicht auch die Musik. Oder umgekehrt. Muss das einfach so? Braucht man eine Art Feind in der eigenen Szene? Ich weiß es nicht. Aber mich würde interessieren, wie das so bei anderen ist. Es gibt noch einige Musiker, die vielleicht mit in die Aufzählung passen würden, wie Thilo Wolff oder Thomas Rainer. Aber ich denke, die vier Herren oben reichen erstmal. Die Festivalsaison beginnt ja bald, ich werde mich weiter umhören. Mal sehen, was für Meinungen mir noch begegnen werden.

(Aus taktischen Gründen habe ich den Grafen von Unheilig aus dieser Behauptung ausgeklammert – damit wäre meine These ja von Anfang an bestätigt gewesen.)

Meine Liebe zur Musik.

Es gibt so Momente, in denen vieles in den Hintergrund rückt. In Vergessenheit mag ich nicht sagen. Aber halt nicht mehr auf der Prioritätenliste ganz oben. Und dann ganz plötzlich, wenn es vielleicht schon am Ende der Liste steht, erinnere ich mich wieder. Dann passiert immer etwas Wunderbares: Ich verliebe mich neu. Quasi. Auffrischen alter Liebe kann man das nicht mehr nennen, das ist einfach ein anderes Gefühl. Mir geht es sehr, sehr häufig mit Musik so. Ich höre jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit Radio. Ist ja eigentlich nicht verwerflich, aber quält meine Ohren doch manchmal sehr. Auf der Rückfahrt von der Arbeit bin ich meistens aufmerksam genug, um vor der Abfahrt noch meine Musik anzuschließen. Aber auch das habe ich lange schleifen lassen. Bis letzte Woche.

Eigentlich bin ich ziemlich tolerant, was Musik im Auto oder auf der Arbeit angeht. Eigentlich. Bis ich jetzt mit Welle Nord konfrontiert wurde. Das ist eigentlich immer nur zu Weihnachten nötig, wenn ich bei Oma den Baum aufstelle. Dann ist sogar Welle Nord aushaltbar, weil viele Weihnachtslieder gespielt werden. Momentan nicht. So gar nicht. Ich wusste nicht, wie viel schlechten deutschen Schlager es wirklich gibt. Mein Kollege meint, es würde ihn entspannen. Mich macht es unglaublich angespannt. Ich achte auf die Texte und meine Nackenhaare sträuben sich.

Das Resultat: Ich höre wieder mehr Musik. Meine Musik. Im Auto. Im Schwimmbad. Am Pc. Und entdecke meine Musik wieder neu. Ein paar Bands habe ich vor Jahren sehr geliebt, dann aber links liegen gelassen, weil Exfreunde sie mir schlecht geredet haben. Damit ist es jetzt Schluss. Ich höre mich durch Musik, die ich ewig nicht gehört habe. Die natürlich noch Erinnerungen gespeichert haben. Versuche aber, diese langsam abzulegen und die Musik wieder als Musik zu sehen. Das ist sie ja schließlich. Aktuelles Beispiel: Samsas Traum. (Nur und ausschließlich die Musik. Den Kaschte kann ich einfach nicht mehr ernst nehmen.) Es werden da noch ein paar andere Bands folgen, denke ich.

Wie verrückt. Jetzt führt mich Welle Nord zurück zu meiner Lieblingsmusik. (Blutengel werde ich deswegen trotzdem niemals mögen. Das hat mir keiner mies gemacht, das ist und bleibt einfach unglaublich schlecht.)