Gothic Friday September 2016: Im Schatten des Netzes.

Im August war Gothic Friday Pause – ich hätte das zwischen Festivals und Urlaub auch gar nicht geschafft, meine Gedanken zu formulieren. Das Thema für diesen Monat ist das Internet. Mal sehen, was ich so zu den Fragen formuliert bekomme. Beitragssammlung gibt es hier auf Spontis.de – noch immer meine liebste schwarze Seite im Netz.

Internet & Schwarzsein – Inwiefern lassen sich für euch Internet und euer Schwarzsein vereinbaren? Ist das Internet bezogen auf Letzteres eine Bereicherung? Wenn ja, in welchen Bereichen? Zeigt sie uns! Seht ihr irgendwo Probleme und wenn ja, welche?

Definitiv eine unglaublich große Bereicherung! Ich wäre nicht so schwarz, wie ich es jetzt bin, ohne Internet. Ich kann mir aussuchen, wer und was in meiner Filterbubble bleibt  – bildlich gesehen hätte mein Wohnzimmer im Netz drei schwarz/rote Wände und eine glitzernde in Regenbogenfarben. Probleme tauchen leider auch oft auf – gerade die Kommentare bei Facebook driften gerne in Richtungen ab, so doof kann eine einzelne Person mit halbwegs klarem Verstand gar nicht denken. Da hilft leidern auch nur seine Filterbubble zu pflegen und darauf zu achten, was man liest. Wobei das im RL nicht anders ist. Vollhonks  möchte ich auch nicht in meinem Freundeskreis haben.

Auch im Internet gibt es „falsche Freunde“ – sei es Stalking, Mobbing in den Netzwerken oder Menschen, die gezielt andere zerstören wollen. Stichwort für mich ist hier Selbsthilfeforen. Wer dort ein bisschen gelesen hat, wird schnell merken, dass sich dort auch Pro-Denkende tummeln. Egal um was es geht, wenn der Kopf nur noch in eine Richtung denkt, ist es schwer zu erkennen, wer Gutes und wer Schlechtes erreichen will. Ganz schlimm ist es auch bei Instagram. Was sich dort an Pro-Anas, Pro-Mias oder Pro-Svvlern rumtreibt ist wirklich beängstigend.

Soziale Medien – Nutzt ihr Facebook, Whatsapp & Co? Wie wichtig sind sie euch hinsichtlich Kontaktaufnahme und -pflege? Gibt es Verweigerer unter euch, die sich bewusst gegen einen Gebrauch sozialer Medien entscheiden?

Schönes Thema. Ja, ich nutze Facebook, Whatsapp und Instagram. Habe einen Googleaccount. Bestelle bei Amazon. Ein Tuscheln geht durch die Menge… Allerdings achte ich schon darauf, was ich wo poste. Kinderfotos vom Wolf gibt es nur ohne Gesicht. Das soll mein Sohn später selber entscheiden dürfen, wo er etwas posten möchte. Facebook und Whatsapp nutze ich eigentlich aus Bequemlichkeit. Viele Freunde oder Familienmitglieder würde ich sonst nur viel schwerer erreichen. Natürlich möchte ich so einiges auch gar nicht wissen, was andere posten. Dafür gibt es ja aber auch Listenfunktionen. Da ist zwar immer wieder der Wunsch, den FB-Account zu löschen, aber was an Terminen etc ich inzwischen dadurch mitbekomme, ist leider nicht so einfach zu ersetzen.

Sinkendes Niveau und Selbstdarstellung – Mit dem Siegeszug der sozialen Medien wird häufig eine Verflachung der Diskussionskultur und an Narzissmus grenzende Selbstdarstellung verbunden. Wie seht ihr die Kritikpunkte bezogen auf die Schwarze Szene?

Jeder bastelt im Internet eine andere Figur von sich. Bei manchen ist es näher an dem, was er oder sie auch im täglichen Leben zeigt. Bei anderen ist es eine komplette Kunstfigur – aber das ist ja auch okay! Im RL bin ich als Mutter, Arbeitkollegin, Tochter, Gruftschnecke, Freundin oder Ehefrau auch immer ein Stückchen anders. Die Umgebung formt oder zwängt in Rollen. Toleranzgrenzen zieht jeder anders. Das ist in der schwarzen Szene nicht anders. Gerade die Diskussionskultur auf Spontis oder teilweise FB empfinde ich aber alles andere als abgeflacht. Das hängt dann wieder davon ab, mit dem man sich umgibt.

Bestandsaufnahme – Welche (schwarzen) Internetauftritte verfolgt ihr neben Spontis noch? Wovon handeln diese und wie seid ihr darauf aufmerksam geworden? Welchen Kanälen folgt auf YouTube oder Twitch?

Ziemlich wenige. Die Blogs, die beim Gothic Friday mitmachen klicke ich immer mal wieder durch. Beim schwarzen Glück war ich eine Zeit aktiv, genau wie in einem lokalen Forum. Das ist aber nicht mehr. Youtube finde ich ehrlich gesagt recht uninteressant. Dort schaue ich ab und zu DIY Videos, wenn ich eine neue Idee habe oder Hilfe brauche. [Meine zweite Internetwelt ist die Mutti-Blog-Szene. Da lese noch recht viel. Das ist aber hierfür nicht so relevant.]

Euer Teil des Netzes – Seid ihr selbst im Netz aktiv und kreativ? Was tut ihr dort und treibt euch dazu an? Betreibt ihr eigene Kanäle bei YouTube oder dreht ihr sogar eigene Videos?

Am aktivsten bin ich noch immer auf Twitter. Lustig, nachdenklich, den ein oder anderen kurzen Rant… Dann dieser Blog. Einzelne Posts bei Instagram. Pinterest nutze ich sehr viel für Ideensammlungen. Snapchat habe ich seit Pokemon Go fast nicht mehr geöffnet. Videos drehen ist nicht so mein Fall. Fotos mache ich gerne – aber auch lieber von anderen. Schöne Dinge oder Erlebnisse möchte ich festhalten – um mich daran zu erinnern und sie mit anderen teilen zu können.

 

Einer meiner Lieblingssätze ist: „Ich wohne quasi im Internet.“ Das stimmt auch nach wie vor. In meinem Smartphone sind alle Lieblingsmenschen genau gleich weit weg entfernt. Egal wie viele Kilometer dazwischen liegen. Das liebe ich so sehr daran. Wenn man sich dann trifft, ist es so, als wenn das letzte Treffen erst gestern war. Auch wenn es ein Jahr her ist. Vielleicht ist auch nicht das Internet an sich so toll, sondern die Menschen, die das zaubern, was es uns möglich macht uns nicht zu verlieren.

2 Gedanken zu „Gothic Friday September 2016: Im Schatten des Netzes.“

  1. Was es nicht alles gibt, Menschen die Essstörungen oder SVV toll finden oO. Mein Goth, wieder was gelernt… Ich will gar nicht wissen, wie viele Frauen (von Kerlen kenne ich das Phänomen jetzt nicht) in der Schwarzen Szene mit solch einem Weltbild herumrennen. Ich fand es schon seinerzeit suspekt, als ein Mädel mal zu mir meinte, „sich zu ritzen gehört ja dazu“. Beileibe nein, das ist immer noch ne Krankheit und Symptom für persönliche Probleme. Das Netz bringt solche vermeintlichen Trends natürlich leicht und schnell an die Zielgruppe, eine der gern ausgeblendeten Schattenseiten.

    „Kinderfotos () gibt es nur ohne Gesicht“ – Ebenfalls ein Ding, was mich immer total aufregt. Ich nutze selbst kein Fb & Co, aber sehe dennoch, wie Mütter ihre Kinder filmen und das dann tatsächlich auf Fb oder gar Yt stellen. Schon ironisch, wenn diese Mütter meinen, nur das Beste für das Kind zu wollen und dann sowas machen…

  2. Seinerzeit empfand ich das Pro-Ana Forum eigentlich sogar als sehr angenehmen Ort. Klar haben wir uns in eine destruktive Richtung bestärkt, aber manchmal haben wir uns auch gegenseitig gebremst, wenn Mädels sich selbst zu krass kasteit haben, in die Mia abgerutscht sind etc. Und als einen Forumsuserin sich abmeldete, weil sie in Therapie ging, haben alle sie auch darin bestärkt und ihr Mut gemacht und Glück gewünscht. Die SVV Selbsthilfeforen fand ich hingegen immer sehr doof…

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