Können wir uns das überhaupt erlauben? Windenergie.

Jeden Arbeitstag fahre ich über die Kanalbrücke. Meistens zwei Mal. Wenn die Sicht nicht zu schlecht ist, kann man dann den Blick weit über die Gegend schweifen lassen. Das wunderbare, meist grüne, platte Land. Und bis zum Horizont hunderte von Windmühlen. Morgen im Nebel schauen nur die Köpfe heraus, im Sonnenschein lächeln sie dem Tag entgegen. Und drehen sich. Unaufhaltsam. Immer weiter. Es gibt vielleicht 10 Tage im Jahr, an denen sie sich nicht bewegen, weil es windstill ist.

Jetzt kommen wir zum aber: Sie stehen noch öfter still. Wenn die Sonne scheint. Zu viel scheint. Dann produzieren wir hier im Norden zu viel Strom. Er kann nicht wegtransportiert werden. Es ist wirklich verstörend, wenn es windig ist und sich die Räder nicht drehen. Zum Glück wird daran aktiv gearbeitet. Das ist der „Bundesnetzausbau“, der regelmäßig in den Nachrichten erwähnt wird. Konkret bedeutet das hier immer wieder Geschwindigkeitsbegrenzungen, gesperrte und dreckige Straßen, langsame LKWs und genervte Autofahrer. Aber in den meisten Fällen geht es schnell. Kabel verlegen dauert pro Baustelle je nach Größe 1-2 Wochen. Das ist dann schon irgendwie okay. Wir haben ja alle was davon.

Allerdings wächst hier der Widerstand gegen die neuen 5 Megawatt-Anlagen. Die kleineren Räder werden hier Stück für Stück ausgetauscht, weil sie ihre 15-20 Jahre Arbeit getan haben. Dafür kommen größere Anlagen. Das muss man sich mal vorstellen – ungefähr 160 Windkraftanlagen produzieren so viel Strom wie das AKW Brunsbüttel. Hier stehen deutlich mehr davon. Es könnten noch mehr werden, aber es werden Bürgerinitiativen gegen die Anlagen gegründet und Windparks komplett abgelehnt. Da wäre ich dann wieder bei meiner Frage vom letzten Artikel:

Können wir uns das überhaupt erlauben?

Diejenigen, die jetzt gegen die Anlagen stimmen, werden vermutlich auch kein Energieproblem mehr bekommen. Meine Generation eventuell auch nicht – aber was ist mit unseren Kindern? Weil die Anlagen den Wert unseres Hauses mindern könnten, wollen wir sie nicht? Der Lärm stört. Der Schatten. Die Bautrupps. Sie verspargeln die Landschaft.

Achso. Da muss unbedingt umgedacht werden. Im HSU-Unterricht in der Grundschule habe ich noch gelernt, viele Menschen mögen den Anblick nicht. „Verspargelung der Landschaft“ wurde es dort genannt. Ich hoffe, den Kindern wird inzwischen etwas anderes beigebracht. Genau das macht doch inzwischen unsere Region aus. Wir müssen die Anlagen mit anderen Augen sehen. Wir können doch verdammt stolz darauf sein, dass wir in der Lage sind, diese Anlagen bei uns zu bauen! Unser plattes Land am Meer ist doch einfach perfekt dafür geeignet. Einen gewissen Radius um Wohngebiete finde ich zwar auch wichtig – gerade, falls mit den Rädern mal was passiert. Aber warum nicht außerhalb der Stadt die Flächen nutzen, die sich dafür eignen? Wertverlust der Häuser – in ein paar Jahren ist vielleicht eine Wertsteigerung, wer weiß?

Alle Menschen, die jetzt so aufgebracht dagegen wehren, sollten vielleicht mal darüber nachdenken, was uns diese Windräder bringen: Abkehr von Atomenergie. Ist es das nicht wert? Vielleicht könnte man ja auch ein Angebot machen – es werden keine Windräder gebaut, sondern Lagerstätten für Atommüll an den Plätzen eingerichtet. Da möchte ich mal hören, was dann los ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.