Generationsgedanken.

Gestern Abend sprach ich mit meinem Vater über die Konzerte, auf denen wir in den letzten Wochen waren. Zum einen ASP in Kiel, zum anderen Kettcar in Hamburg, sowie Basta in Brunsbüttel. Seine Kollegen kannten die Bands fast alle nicht. ASP – okay, verständlich. Kettcar – bitte?! Hier in Norddeutschland ist doch quasi jedes Lied irgendwie eine Hymne geworden. Zumindest „Deiche“ oder „Landungsbrücken raus“ werden beim Hören dann zum Glück noch erkannt. Basta – da verstehe ich das. Diese Band findet man ja quasi auch nur, wenn man sich mit der Materie Acapella beschäftigt.

Aber ganz ehrlich? Das finde ich traurig. Wie kann man sich denn eigentlich mit der normalen Radio-Musik abfinden? Mit der geringen Anzahl von Stücken und Bands, die dort gespielt werden? Was ist mit dem Abenteuer, wenn man eine interessante Band entdeckt, mehr wissen möchte, recherchiert, Musik hört, sie live sehen möchte? Das tolle Gefühl, wenn man einen Song endlich einer band zuordnen kann?

Musik macht mich glücklich. Genau diese kleinen oder großen Glückserlebnisse, wenn man ein neues oder altes (endlich gefundenes) Album in den Händen hält und hören kann. Egal wie traurig die Musik sein mag, sie macht mich trotzdem glücklich. Zufrieden. Ausgeglichen.

Umso trauriger bin ich, wenn ich überlege, was ich so alles verpasst habe. Goethes Erben live. Depeche Mode in der Anfangszeit. LP-CD-Tauschbörsen. LPs an sich! 80er. Veranstaltungen, die ich nur vom Schwärmen der älteren Freunde kenne… Weil ich zu jung bin. Als ich das meinem Vater erzählte, fing er an zu überlegen und sagte dann, dass er auch vieles nicht mitbekommen hat. Weil er zu alt ist. Festivals zum Beispiel. Oder wirklichen Gothic Rock in seiner Jugend. Auf Konzerten war er schon immer viel, aber die Gruftie-Konzerte hat er jetzt erst durch mich entdeckt.

Das machte mich doch nachdenklich. Eigentlich erlebe ich wirklich viel. Viel, was früher nicht möglich gewesen wäre. Hier auf dem platten Land würde ich ohne die Verbindung über das Internet vermutlich kaum was mitbekommen. Über Freunde, ja. Aber auch nur in einem gewissen Kreise. Also freue ich mich, wenn ich mir Geschichten anhören darf, die sie erzählen und genieße es doch auch, wie einfach ich es jetzt habe. Vorallem: Wie cool ist es bitte, mit seinem Vater zum Rammstein- oder ASP-Konzert zu gehen?

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